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Mini-Workshops statt Monologe
Teile Teilnehmer in kleine Gruppen und gib ihnen eine konkrete Aufgabe. Menschen, die zusammen an etwas knobeln, erinnern sich auch später aneinander – nicht nur an das Buffet.

Matching-Sessions
Nutze Tools oder einfach gute Vorbereitung: Finde heraus, wer thematisch zusammenpasst, und bring diese Menschen aktiv ins Gespräch.

Speed-Networking mit Substanz
Kein belangloses „Wo arbeiten Sie?“, sondern klare Leitfragen: „Welches Problem wollen Sie dieses Jahr unbedingt lösen?“ oder „Was war Ihr größter Flop?“ – garantiert spannender als Lebenslauf-Gefasel.


Praxis-Tipps vom Eventdoktor

© Twilight Events Media AG

© Twilight Events Media AG

Wer Gefühle plant, gewinnt:
MICE ohne Emotion ist wie Sex mit Excel

Gastbeitrag von „Eventdoktor“ Günter Mainka, Gründer und CEO bei Twilight Events


Wer glaubt, dass Tabellen, PowerPoint und banale Zahlenblöcke ausreichen, um Teilnehmer zu begeistern, hat das Spiel verloren, bevor es begonnen hat. Ohne Emotion bleibt vom Event nur der Käseigel vom Buffet im Gedächtnis.

Seien wir ehrlich: Der klassische Tagungs- und Eventablauf ist so vorhersehbar wie das Ende einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung. Man könnte den ganzen Tag vorspulen und würde nichts verpassen. Begrüßung, erster Vortrag, PowerPoint-Schlacht, Mittagspause, weitere Vorträge, Abschluss – fertig. Und genau deswegen sind die Teilnehmer spätestens nach der zweiten Kaffeepause geistig auf Netflix. Ähnlich ist es bei Gala-Events an runden, weißen Tischen, wo du genau weißt, was als nächstes an den Tisch geschleppt wird, bzw. was über die Bühne geht. Es ist vorhersehbar und vor Verzweiflung lernst du unter dem Tisch deine eigene Visitenkarte auswendig.

Dein Publikum von heute ist nicht nur abgelenkt, es ist kognitiv durch Dauerbeschallung dressiert. Microsoft hat schon 2015 festgestellt, dass die Aufmerksamkeitsspanne des Menschen nur noch acht Sekunden beträgt – ein Goldfisch bringt es immerhin auf neun¹. Gratulation, wir haben den Goldfisch offiziell unterboten.

Dazu kommt die Dauerfütterung durch Social Media, Mails und Push-Nachrichten. 80 Prozent der Deutschen fühlen sich regelmäßig überfordert von der Info-Flut². Wer glaubt, dass man mit 60 Folien in Arial 10 dagegen anstinken kann, der glaubt wahrscheinlich auch noch an den Erfolg von Faxgeräten in Helmstedt.

Warum bitte sollte sich jemand für einen Krimi interessieren, wenn er den Mörder schon in der ersten Minute kennt? Genau das ist die Tragik vieler Tagungen und Events. Die Dramaturgie ist so durchschaubar, dass selbst weichgespülte 20.15 Uhr-Tatortseher vor Langeweile einschlafen. Überraschung? Fehlanzeige. Spannung? Null.

Das sensorische Gedächtnis – oder: Der Türsteher im Gehirn

Damit Inhalte eine Chance haben, im Kopf hängen zu bleiben, müssen sie durch das sensorische Gedächtnis. Das ist sozusagen der Türsteher des Gehirns: Nur das, was spannend, relevant oder emotional ist, kommt weiter. Alles andere fliegt sofort raus³.

John Medina, Autor von „Brain Rules“, hat es auf den Punkt gebracht: Wir merken uns etwa 10 Prozent von dem, was wir hören, 20 Prozent von dem, was wir sehen – aber bis zu 65 Prozent, wenn wir gleichzeitig sehen und hören⁴. Und wenn Emotionen dazukommen, verdoppelt sich die Wirkung. Antonio Damasio hat gezeigt, dass Menschen ohne Emotionen nicht einmal in der Lage sind, vernünftige Entscheidungen zu treffen⁵.

Mit anderen Worten: Wenn du glaubst, dein Teilnehmer sitzt stundenlang still, hört zu und merkt sich alles, nur weil du ein paar Zahlen an die Wand wirfst, dann hast du die Funktionsweise des Gehirns ungefähr so gut verstanden wie ein Hamster Quantenphysik.

Der Kardinalfehler (A)

Der absolute Klassiker: Den langweiligsten und trockensten Vortrag ganz ans Ende setzen. Am besten hol dir einen Prof., der wird der verwöhnten Vertriebsgang schon einheizen. Großartig, wenn du sehen willst, wie 200 Menschen gleichzeitig bereit sind, sich den Werbekugelschreiber ins Kleinhirn zu schieben. Nach sieben Stunden Programm hat keiner mehr Bock auf die Excel-Bibel des Controllings oder auf eine Medical-Schulung mit der Emotion getrockneter Wandfarbe. Wenn der Referent darauf besteht, sein Zahlenwerk und die Grundlagen der Wirkungsweisen im Kleinhirn trotzdem episch auszubreiten, dann gibt es nur eine Lösung: Tausche ihn aus. Harte Worte? Ja. Wer besetzt schon eine Bruce Willis Rolle mit Florian Silbereisen? Aber glaub mir: Deine Teilnehmer danken es dir. Hör auf die Welt zu langweilen! Jetzt denkst du folgendes:

1.    Ich muss doch…

2.    Was soll ich denn machen…

3.    Das gehört doch dazu…

4.    Das war doch schon immer so…

5.    Ich muss weg…

Und nun? Lies weiter, denn die Wahrheit und die Lösung kommt immer am Ende.


Wie kommt man ins sensorische Gedächtnis?

Die Antwort ist einfach: Emotion schlägt Information.

Beispiele:

  • Erzähl Geschichten statt Folien runterzurattern. Unser Gehirn liebt Storytelling – nackte Zahlen sind nur Gehirn-Smog⁶.

  • Lass die Leute etwas tun. Studien zeigen: Wir erinnern uns zu 90 Prozent an das, was wir selbst tun, aber nur zu 10 Prozent an das, was wir lesen⁷.

  • Nutze alle Sinne: Bilder, Sounds, Haptik, sogar Gerüche. Multisensorische Inputs verbessern die Erinnerungsleistung deutlich⁸.

  • Baue Überraschungen ein. Ein unerwartetes Element – ein Gast, eine provokante Frage, ein Formatwechsel – wirkt wie ein Schlag ins neuronale Gesicht. Mache das Gegenteil von dem, was man erwartet.

(A) Der Begriff Kardinalfehler stammt ursprünglich aus dem Lateinischen: cardinalis bedeutet „wesentlich“ oder „grundlegend“. Er bezeichnet also einen Fehler, der nicht irgendein kleiner Patzer ist, sondern ein grundlegender, zentraler Irrtum – quasi der Hauptfehler, von dem aus alles Weitere schiefgeht.


Quellen:
¹ Microsoft Attention Spans Research Report, (2015)/ ² Bitkom-Studie „Digitale Überforderung“, (2021)/ ³ Neisser, U. (1967): Cognitive Psychology/ ⁴ Medina, J. (2008): Brain Rules/ ⁵ Damasio, A. (1994): Descartes’ Error/ ⁶ Zak, P. J. (2013): Why Inspiring Stories Make Us React/ ⁷ Dale, E. (1969): Cone of Experience/ ⁸ Shams, L., & Seitz, A. (2008): Benefits of Multisensory Learning

Die Möglichkeiten sind vielfältig und dir fallen bestimmt noch bessere Ideen ein. Der Haken? Deine Geschäftsleitung sieht das alles anders, aber dazu gibt es einen passenden Filmtitel: „Denn sie wissen nicht, was sie tun“.

Plan doch mal, was lebt!

Deine Tagung braucht keine weiteren Zahlenfriedhöfe. Und nochmal zur Erinnerung: Kein Mensch schaut einen Krimi, wenn er den Mörder schon kennt. Also hör endlich auf, Veranstaltungen zu planen, deren Ablauf schon auf dem Anmeldeformular erkennbar ist. Plane Spannung. Plane Erlebnisse. Plane Emotion. Wenn man dich nicht lässt, dann gehe.

Merke: Ohne Emotion ist deine Tagung nichts weiter als ein besserer Kantinenbesuch mit Namensschild und einem getrockneten Film auf dem Dessertpudding.

Dein Eventdoktor

Günter Mainka

Location:

Hangar / Flugzeug / Flugsimulator

Markthalle / Teppichgeschäft / Börse

Baustelle / Architektur-Showroom

Was geht sonst noch so?

Versuche den Content mit der Location zu verknüpfen. An welchem Ort spiegelt sich dein Tagungsmotto wider? Hier ein paar Beispiele:

Motto:

Wir starten durch

Sales Kick Off 2026

Wir gestalten Zukunft

Warum es immer schwerer wird

Deine Teilnehmer sind permanent überfüttert. Das bedeutet: Im sensorischen Gedächtnis fliegt alles Normale raus. Nur Relevanz, Emotion und Überraschung kommen rein. Alles andere landet auf dem gleichen Stapel wie Spam-Mails und schlechte KI-Instagram-Selfies.

Du musst ein Networking organisieren?

Emma Zajdela und Kollegen haben 2021 über fünf Jahre hinweg Daten von zwölf wissenschaftlichen Konferenzen analysiert (Catalyzing collaborations: Prescribed interactions at conferences determine team formation). Und sie fanden heraus: Wenn man die Teilnehmer nicht dem Zufall überlässt, sondern sie gezielt in Interaktion bringt – in kleinen Gruppen, über Matching-Sessions, moderierte Austauschformate – dann passiert Magie.

Die Fakten:

  • Teilnehmer, die in solche prescribed interactions eingebunden wurden, hatten eine achtmal höhere Wahrscheinlichkeit, danach eine neue Zusammenarbeit zu starten, als jene, die im klassischen Setting nur konsumierten.

  • Insgesamt führten diese strukturierten Begegnungen zu 63 Prozent mehr Interaktionen im Vergleich zur Standard-Kaffeepause.

Mit anderen Worten: Wer Menschen nur nebeneinandersetzt, produziert höfliches Schweigen. Wer sie aktiv zusammenführt, produziert Projekte, Paper und Netzwerke.

Quelle: Zajdela et al., 2021 (arxiv.org/abs/2112.08468)


Was das für deine Events heißt

Wenn schon die wissenschaftliche Community – bekannt für ihre Vorliebe für PowerPoint-Marathons und monotone Vorträge – plötzlich vor Kooperationen sprüht, sobald man sie strukturiert ins Gespräch zwingt, dann heißt das für dich als Eventplaner: Hör auf zu hoffen, dass Networking von allein passiert.

Kaffeepausen mit belegten Brötchen schaffen keine nachhaltigen Verbindungen. Höfliche Smalltalks im Stehen bringen keine Kollaboration. Du musst den Zufall managen – und Interaktion bewusst designen. Du bist der Regisseur, du bist die Dramaturgin!

Günter Mainka ist Gründer und kreativer Kopf der renommierten Agentur Twilight Events, Keynote Speaker, Moderator, Event- und Marketingexperte sowie Autor. Als „Eventdoktor“ und Branchenkenner seit über 25 Jahren ist er bekannt für seine pointierten Analysen und humorvollen Beiträge zur Eventbranche. Seine Spezialgebiete sind Erlebnismarketing, Live-Kommunikation, Kundenbindung, Vertriebsevents sowie Innovations-Coaching und sensorisches Marketing. Ausgezeichnet ist er mit dem EVA Award für kreative Exzellenz in der Eventbranche.

Wer Gefühle plant, gewinnt: MICE ohne Emotion ist wie Sex mit Excel

Der Kardinalfehler (A)

Der absolute Klassiker: Den langweiligsten und trockensten Vortrag ganz ans Ende setzen. Am besten hol dir einen Prof., der wird der verwöhnten Vertriebsgang schon einheizen. Großartig, wenn du sehen willst, wie 200 Menschen gleichzeitig bereit sind, sich den Werbekugelschreiber ins Kleinhirn zu schieben. Nach sieben Stunden Programm hat keiner mehr Bock auf die Excel-Bibel des Controllings oder auf eine Medical-Schulung mit der Emotion getrockneter Wandfarbe. Wenn der Referent darauf besteht, sein Zahlenwerk und die Grundlagen der Wirkungsweisen im Kleinhirn trotzdem episch auszubreiten, dann gibt es nur eine Lösung: Tausche ihn aus. Harte Worte? Ja. Wer besetzt schon eine Bruce Willis Rolle mit Florian Silbereisen? Aber glaub mir: Deine Teilnehmer danken es dir. Hör auf die Welt zu langweilen! Jetzt denkst du folgendes:

1.    Ich muss doch…

2.    Was soll ich denn machen…

3.    Das gehört doch dazu…

4.    Das war doch schon immer so…

5.    Ich muss weg…

Und nun? Lies weiter, denn die Wahrheit und die Lösung kommt immer am Ende.


Wie kommt man ins sensorische Gedächtnis?

Die Antwort ist einfach: Emotion schlägt Information.

Beispiele:

  • Erzähl Geschichten statt Folien runterzurattern. Unser Gehirn liebt Storytelling – nackte Zahlen sind nur Gehirn-Smog⁶.

  • Lass die Leute etwas tun. Studien zeigen: Wir erinnern uns zu 90 Prozent an das, was wir selbst tun, aber nur zu 10 Prozent an das, was wir lesen⁷.

  • Nutze alle Sinne: Bilder, Sounds, Haptik, sogar Gerüche. Multisensorische Inputs verbessern die Erinnerungsleistung deutlich⁸.

  • Baue Überraschungen ein. Ein unerwartetes Element – ein Gast, eine provokante Frage, ein Formatwechsel – wirkt wie ein Schlag ins neuronale Gesicht. Mache das Gegenteil von dem, was man erwartet.


Praxis-Tipps vom Eventdoktor

Speed-Networking mit Substanz
Kein belangloses „Wo arbeiten Sie?“, sondern klare Leitfragen: „Welches Problem wollen Sie dieses Jahr unbedingt lösen?“ oder „Was war Ihr größter Flop?“ – garantiert spannender als Lebenslauf-Gefasel.

Mini-Workshops statt Monologe
Teile Teilnehmer in kleine Gruppen und gib ihnen eine konkrete Aufgabe. Menschen, die zusammen an etwas knobeln, erinnern sich auch später aneinander – nicht nur an das Buffet.

Matching-Sessions
Nutze Tools oder einfach gute Vorbereitung: Finde heraus, wer thematisch zusammenpasst, und bring diese Menschen aktiv ins Gespräch.


Quellen:
¹ Microsoft Attention Spans Research Report, (2015)/ ² Bitkom-Studie „Digitale Überforderung“, (2021)/ ³ Neisser, U. (1967): Cognitive Psychology/ ⁴ Medina, J. (2008): Brain Rules/ ⁵ Damasio, A. (1994): Descartes’ Error/ ⁶ Zak, P. J. (2013): Why Inspiring Stories Make Us React/ ⁷ Dale, E. (1969): Cone of Experience/ ⁸ Shams, L., & Seitz, A. (2008): Benefits of Multisensory Learning

© Twilight Events Media AG

Günter Mainka ist Gründer und kreativer Kopf der renommierten Agentur Twilight Events, Keynote Speaker, Moderator, Event- und Marketingexperte sowie Autor. Als „Eventdoktor“ und Branchenkenner seit über 25 Jahren ist er bekannt für seine pointierten Analysen und humorvollen Beiträge zur Eventbranche. Seine Spezialgebiete sind Erlebnismarketing, Live-Kommunikation, Kundenbindung, Vertriebsevents sowie Innovations-Coaching und sensorisches Marketing. Ausgezeichnet ist er mit dem EVA Award für kreative Exzellenz in der Eventbranche.

(A) Der Begriff Kardinalfehler stammt ursprünglich aus dem Lateinischen: cardinalis bedeutet „wesentlich“ oder „grundlegend“. Er bezeichnet also einen Fehler, der nicht irgendein kleiner Patzer ist, sondern ein grundlegender, zentraler Irrtum – quasi der Hauptfehler, von dem aus alles Weitere schiefgeht.

Die Möglichkeiten sind vielfältig und dir fallen bestimmt noch bessere Ideen ein. Der Haken? Deine Geschäftsleitung sieht das alles anders, aber dazu gibt es einen passenden Filmtitel: „Denn sie wissen nicht, was sie tun“.

Plan doch mal, was lebt!

Deine Tagung braucht keine weiteren Zahlenfriedhöfe. Und nochmal zur Erinnerung: Kein Mensch schaut einen Krimi, wenn er den Mörder schon kennt. Also hör endlich auf, Veranstaltungen zu planen, deren Ablauf schon auf dem Anmeldeformular erkennbar ist. Plane Spannung. Plane Erlebnisse. Plane Emotion. Wenn man dich nicht lässt, dann gehe.

Merke: Ohne Emotion ist deine Tagung nichts weiter als ein besserer Kantinenbesuch mit Namensschild und einem getrockneten Film auf dem Dessertpudding.

Dein Eventdoktor

Günter Mainka

Location:

Hangar / Flugzeug / Flugsimulator

Markthalle / Teppichgeschäft / Börse

Baustelle / Architektur-Showroom

Was geht sonst noch so?

Versuche den Content mit der Location zu verknüpfen. An welchem Ort spiegelt sich dein Tagungsmotto wider? Hier ein paar Beispiele:

Motto:

Wir starten durch

Sales Kick Off 2026

Wir gestalten Zukunft

Warum es immer schwerer wird

Deine Teilnehmer sind permanent überfüttert. Das bedeutet: Im sensorischen Gedächtnis fliegt alles Normale raus. Nur Relevanz, Emotion und Überraschung kommen rein. Alles andere landet auf dem gleichen Stapel wie Spam-Mails und schlechte KI-Instagram-Selfies.

Du musst ein Networking organisieren?

Emma Zajdela und Kollegen haben 2021 über fünf Jahre hinweg Daten von zwölf wissenschaftlichen Konferenzen analysiert (Catalyzing collaborations: Prescribed interactions at conferences determine team formation). Und sie fanden heraus: Wenn man die Teilnehmer nicht dem Zufall überlässt, sondern sie gezielt in Interaktion bringt – in kleinen Gruppen, über Matching-Sessions, moderierte Austauschformate – dann passiert Magie.

Die Fakten:

  • Teilnehmer, die in solche prescribed interactions eingebunden wurden, hatten eine achtmal höhere Wahrscheinlichkeit, danach eine neue Zusammenarbeit zu starten, als jene, die im klassischen Setting nur konsumierten.

  • Insgesamt führten diese strukturierten Begegnungen zu 63 Prozent mehr Interaktionen im Vergleich zur Standard-Kaffeepause.

Mit anderen Worten: Wer Menschen nur nebeneinandersetzt, produziert höfliches Schweigen. Wer sie aktiv zusammenführt, produziert Projekte, Paper und Netzwerke.

Quelle: Zajdela et al., 2021 (arxiv.org/abs/2112.08468)


Was das für deine Events heißt

Wenn schon die wissenschaftliche Community – bekannt für ihre Vorliebe für PowerPoint-Marathons und monotone Vorträge – plötzlich vor Kooperationen sprüht, sobald man sie strukturiert ins Gespräch zwingt, dann heißt das für dich als Eventplaner: Hör auf zu hoffen, dass Networking von allein passiert.

Kaffeepausen mit belegten Brötchen schaffen keine nachhaltigen Verbindungen. Höfliche Smalltalks im Stehen bringen keine Kollaboration. Du musst den Zufall managen – und Interaktion bewusst designen. Du bist der Regisseur, du bist die Dramaturgin!

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Gastbeitrag von „Eventdoktor“ Günter Mainka, Gründer und CEO bei Twilight Events


Wer glaubt, dass Tabellen, PowerPoint und banale Zahlenblöcke ausreichen, um Teilnehmer zu begeistern, hat das Spiel verloren, bevor es begonnen hat. Ohne Emotion bleibt vom Event nur der Käseigel vom Buffet im Gedächtnis.

Seien wir ehrlich: Der klassische Tagungs- und Eventablauf ist so vorhersehbar wie das Ende einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung. Man könnte den ganzen Tag vorspulen und würde nichts verpassen. Begrüßung, erster Vortrag, PowerPoint-Schlacht, Mittagspause, weitere Vorträge, Abschluss – fertig. Und genau deswegen sind die Teilnehmer spätestens nach der zweiten Kaffeepause geistig auf Netflix. Ähnlich ist es bei Gala-Events an runden, weißen Tischen, wo du genau weißt, was als nächstes an den Tisch geschleppt wird, bzw. was über die Bühne geht. Es ist vorhersehbar und vor Verzweiflung lernst du unter dem Tisch deine eigene Visitenkarte auswendig.

Dein Publikum von heute ist nicht nur abgelenkt, es ist kognitiv durch Dauerbeschallung dressiert. Microsoft hat schon 2015 festgestellt, dass die Aufmerksamkeitsspanne des Menschen nur noch acht Sekunden beträgt – ein Goldfisch bringt es immerhin auf neun¹. Gratulation, wir haben den Goldfisch offiziell unterboten.

Dazu kommt die Dauerfütterung durch Social Media, Mails und Push-Nachrichten. 80 Prozent der Deutschen fühlen sich regelmäßig überfordert von der Info-Flut². Wer glaubt, dass man mit 60 Folien in Arial 10 dagegen anstinken kann, der glaubt wahrscheinlich auch noch an den Erfolg von Faxgeräten in Helmstedt.

Warum bitte sollte sich jemand für einen Krimi interessieren, wenn er den Mörder schon in der ersten Minute kennt? Genau das ist die Tragik vieler Tagungen und Events. Die Dramaturgie ist so durchschaubar, dass selbst weichgespülte 20.15 Uhr-Tatortseher vor Langeweile einschlafen. Überraschung? Fehlanzeige. Spannung? Null.

Das sensorische Gedächtnis – oder: Der Türsteher im Gehirn

Damit Inhalte eine Chance haben, im Kopf hängen zu bleiben, müssen sie durch das sensorische Gedächtnis. Das ist sozusagen der Türsteher des Gehirns: Nur das, was spannend, relevant oder emotional ist, kommt weiter. Alles andere fliegt sofort raus³.

John Medina, Autor von „Brain Rules“, hat es auf den Punkt gebracht: Wir merken uns etwa 10 Prozent von dem, was wir hören, 20 Prozent von dem, was wir sehen – aber bis zu 65 Prozent, wenn wir gleichzeitig sehen und hören⁴. Und wenn Emotionen dazukommen, verdoppelt sich die Wirkung. Antonio Damasio hat gezeigt, dass Menschen ohne Emotionen nicht einmal in der Lage sind, vernünftige Entscheidungen zu treffen⁵.

Mit anderen Worten: Wenn du glaubst, dein Teilnehmer sitzt stundenlang still, hört zu und merkt sich alles, nur weil du ein paar Zahlen an die Wand wirfst, dann hast du die Funktionsweise des Gehirns ungefähr so gut verstanden wie ein Hamster Quantenphysik.

© Twilight Events Media AG