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Whitepaper KI in der Live Kommunikation Whitepaper_AI-x-Experience_Patric-Weiler_Juli2025.pdf
Podcast Live//Intelligence LIVE//INTELLIGENCE – KI trifft Kommunikation. Kick-off: KI verändert die Livekommunikation. | Podcast on Spotify
Website pwbc/Patric Weiler www.pwbc.de
Patric Weiler hat Firmen in unterschiedlichen Rollen geführt und prägt seit fast drei Jahrzehnten die Live-Kommunikationsbranche. Als stellvertretender Deutschlandchef und Strategieleiter bei American Express Meetings & Events, als Co-Founder und CEO der Digitalagentur 7thSENSE, einer der ersten in Europa, sowie als Director of Strategy & Innovation bei Proske kennt er die Branche aus jeder Perspektive. Er beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz, lange bevor der aktuelle Hype begann, und gilt heute als einer der führenden Unternehmensberater und Sparringspartner, wenn es um die Transformation von Unternehmen ins KI-Zeitalter geht. Darüber hinaus ist er als Hochschuldozent, Trainer, Autor und Keynote-Speaker für strategische Zukunftsthemen aktiv. Auf der boe international 2026 spricht er über das Thema 'Game Changer AI - wie Künstliche Intelligenz die Zukunft der Live-Kommunikation prägen wird'.
Patric, Du hast internationale Vertriebsorganisationen aufgebaut und geführt: Welche Teamrollen, Abläufe und Tools sollten 2026 zur Grundausstattung gehören - und welche typischen Fehler spart man sich am besten gleich?
Den größten Fehler, den man heutzutage machen kann, ist, den Einzug der Künstlichen Intelligenz zu ignorieren. KI ist längst nicht mehr ein einzelnes Tool, sondern muss als fester Bestandteil des Teams verstanden werden. Unternehmen müssen ihre Prozesse überdenken - weg von Routinen, die Jahrzehnte funktioniert haben, hin zu Strukturen, die lernen, sich anpassen und dynamisch reagieren können.
Ich spreche hier nicht von kleinen Spielereien mit Tools, die Endverbraucher beeindrucken sollen. Das ist für Unternehmen nicht der Punkt. Entscheidend ist, ein tiefes Verständnis der KI-Prinzipien zu entwickeln - also, wie Muster erkannt, Daten interpretiert und Entscheidungen vorbereitet werden. Darauf baut jede erfolgreiche Nutzung auf.
Der größte Fehler liegt im sogenannten Tool-Hopping. Bei über 15.000 verfügbaren KI-Tools ist jedes neue Plug-in schon morgen veraltet. Wichtiger ist, eine klare Strategie zu entwickeln, die Orientierung und echten Zukunfts-Fokus gibt. KI ist kein Experiment, sondern eine Gestaltungsaufgabe.
Am Ende zählt: KI verändert nicht nur Arbeit, sondern Zusammenarbeit. Wer Neugier statt Angst fördert, schafft Teams, die sich mit KI weiterentwickeln, statt gegen sie anzukämpfen. Und das ist der Unterschied zwischen Veränderung und Fortschritt.
Viele Events schaffen große Momente, aber wenig strategischen Nachhall. Wie lässt sich erreichen, dass Botschaften über das einmalige Erlebnis hinaus wirken, weitergetragen werden? Und welche Rolle kann KI dabei spielen?
Ein Event muss nicht enden, wenn das Licht ausgeht. Im Gegenteil: KI eröffnet die Möglichkeit, Erlebnisse über alle Kommunikationskanäle hinweg weiterzuführen. Sie erkennt Muster im Verhalten und in den Emotionen der Teilnehmenden und verknüpft diese mit Daten aus CRM-Systemen, Social Media oder Kampagnenplattformen. So entsteht eine Full-Circle-Experience, in der Events nicht isoliert stehen, sondern mit anderen Kommunikationsdisziplinen verbunden sind - vom TV-Spot bis zur digitalen Community.
Man kann sich das vorstellen wie ein Orchester: Der Event ist der erste Geiger, der die emotionalen Highlights setzt. Und die KI übernimmt die Rolle der Dirigentin. Sie sorgt dafür, dass alle Kanäle harmonisch zusammenspielen, dass Botschaften sich verstärken, statt sich zu überlagern.
Richtig eingesetzt, wird der Event so zum Herzstück einer integrierten Markenkommunikation. Laut Studien von McKinsey und MIT steigert der intelligente Einsatz von KI die Teilnehmerzufriedenheit um über 40 Prozent und reduziert gleichzeitig operative Aufwände um bis zu 60 Prozent. Das zeigt, was möglich ist: Effizienz trifft Emotion. Und beides zahlt auf strategische Wirkung ein.
Wo bringt KI im Tagesgeschäft schnell spürbare Ergebnisse? Wie wird daraus ein dauerhaftes Basisangebot statt nur ein Einzelprojekt?
KI zeigt ihre Stärke in zwei Dimensionen: Effizienz und Positionierung. Die erste Dimension ist die Effizienzdimension. In Zeiten, in denen Budgets schrumpfen und Volumina sinken, ist Effizienz kein Vorteil, sondern Überlebensstrategie. KI reduziert operative Aufwände um bis zu 80 Prozent: von Teilnehmermanagement über Content-Erstellung bis hin zur Konzeptphase. Damit werden Ressourcen frei, die dort wirken, wo Wert entsteht, etwa in Beratung, Kreativität und Kundenkontakt.
Die zweite Dimension ist die Positionierungsdimension. KI ermöglicht es Agenturen und Eventabteilungen, sich vom reinen Dienstleister zum strategischen Partner zu entwickeln. Durch intelligente Datenanalysen, Hyperpersonalisierung und Predictive Insights kann man Zielgruppen genauer verstehen, Erlebnisse präziser gestalten und die Performance von Kommunikation messbar verbessern.
In meinem Whitepaper AI x Experience nenne ich das den 'doppelten Gewinn': Wer Effizienz und Positionierung zusammen denkt, schafft sich Raum und nutzt diesen Raum, um die eigene Relevanz zu erhöhen. Genauso entsteht Wachstum: durch kluge Prozesse und mutige Positionierung.
Hand aufs Herz, Patric. Der Wandel ist längst spürbar. Unternehmen wie Amazon streichen zehntausende Bürojobs, andere automatisieren ganze Bereiche. Was bedeutet das für die bestehenden Berufsbilder und Rollen? Wie können Unternehmen diesen tiefgreifenden Wandel so gestalten, dass Mensch und Technologie gemeinsam stark werden?
Der Wandel ist längst da und er wird spürbarer mit jedem Tag. Doch neu ist er nicht. Jede große Innovation, von der Dampfmaschine über den Computer bis zum Internet, hat die Arbeitswelt neu geformt. Nur diesmal passiert es schneller. KI kam gefühlt über Nacht an die Oberfläche, nachdem sie achtzig Jahre im Hintergrund gereift war.
Unternehmen stehen heute vor der Aufgabe, den Wandel aktiv zu gestalten. Sie müssen sicherstellen, dass das richtige Know-how im Unternehmen ankommt und angewendet wird. Prozesse, Strukturen, Entscheidungswege: all das braucht ein Update. Und vor allem müssen die Menschen mitgenommen werden. Denn sie sind der Motor dieser Veränderung.
Wer glaubt, nur in Technologie investieren zu müssen, übersieht den Menschen als wesentlichem Faktor. Künstliche und menschliche Intelligenz müssen zu einem Power-Couple werden. Denn die Zukunft wird nicht zwischen Mensch und Maschine entschieden, sondern zwischen reaktiven und gestaltenden Unternehmen. Oder, wie Peter Drucker sagte: „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie selbst zu gestalten.“
Du begleitest Unternehmen, von Agenturen bis Konzernen, auf dem Weg in die KI-Epoche: Die boe 2026 steht vor der Tür, jährliches Highlight der Eventbranche. Wo sollten Akteure jetzt ansetzen, um KI-Chancen zu nutzen? Welche Impulse sind dafür entscheidend?
Wenn ich einen Kernpunkt nennen müsste, auch wenn er nicht spektakulär klingt, dann ist es Wissen. Wissen darüber, was KI wirklich bedeutet und welche Chancen sie eröffnet. Denn bei der Fülle an Informationen und Tools ist es schwer, Orientierung zu behalten. Genau deshalb habe ich den KI-Führerschein entwickelt. Ein kostenloses E-Learning, das in nur zwei Stunden eine zertifizierte Basis vermittelt, 100 Prozent kompatibel mit dem EU AI Act. Es ist die einfachste Möglichkeit, ganze Teams schnell auf denselben Wissensstand zu bringen.
Darauf aufbauend empfehle ich, strategische Workshops zu starten: Top-down für Richtung, bottom-up für Beteiligung. So entsteht ein gemeinsames Zukunftsbild, das nicht im Labor, sondern im Unternehmen wächst. Und wer mag, holt sich dafür Sparringspartner ins Haus.
Am Ende geht es um Haltung, aber auch um Neugier und Freude am Gestalten. KI ist keine Bedrohung, sondern eine Einladung, sich als Unternehmen, Marke oder Mensch neu zu definieren.
Für alle, die tiefer einsteigen möchten, gibt es mein kostenloses Whitepaper ‚AI x Experience‘ und den Podcast ‚Live Intelligence‘, den ich gemeinsam mit Peter Blach und Ron Schneider betreibe. Dort vertiefe ich genau diese Themen. Und wer weiterführende Fragen hat? Wir sehen uns auf der boe. Ich freue mich auf viele inspirierende Gespräche und neue Begegnungen.
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Philipp Markl & Katharina Matz: „Werte müssen raus auf dem Hinterzimmer und rein in alltägliche Entscheidungen.“
© platzhalter
Operativ heißt bei dir wirklich: im Tagesgeschäft. Wie kann ich das morgen einführen?
Philipp Markl: In drei einfachen Schritten und ohne große Meeting-Orgie: Finde klare Worte zum führenden Wert. Sag im Stand-up einen Satz wie: „Heute führt bei uns Transparenz, weil wir zwei kritische Entscheidungen vor uns haben.“ Dann weiß jeder sofort, worauf es ankommt. Zweitens: Etabliere wiederkehrende Mikro-Routinen. Zum Beispiel ein 60-Sekunden-Ethical Soundcheck mit fünf kurzen Fragen vor dem Go-Live: „Welcher Wert führt?“, „Wer ist betroffen?“, „Was sind Kurz-/Langfristfolgen?“, „Trägt die Transparenz?“, „Würden wir das öffentlich vertreten?“. Natürlich kannst du die Fragen auch anpassen. Wichtig ist nur, dass du einen Decision-Log führst, das spart spätere Rückfragen. Drittens: eine wöchentliche 10-Minuten-Reflexion: „Wo war unser Leitwert sichtbar? Wo sind wir abgewichen? Was ändern wir nächste Woche?“. So sind Werte kein Poster an der Wand mehr, sondern erschaffen Arbeitskultur.
Klingt machbar. Was bringt es messbar?
Katharina Matz: Signifikant weniger Entscheidungsrauschen, mehr Tempo und mehr Sicherheit. Eskalationen gehen zurück, weil Transparenz steigt. Im Grunde ist das gelebtes Risikomanagement und macht Führung glaubwürdig, da Prinzipien das Handeln leiten, nicht Claims. Messen lässt sich das recht leicht: Time-to-Decision, Eskalationsquote, Rework-Anteil, Team-/Crew-Stabilität bzw. No-Shows, ESG-Compliance, Mini-Pulse-Questionaires im Team zu Fairness und Transparenz. Es gibt viele Wege, jeder muss sich für den für ihn passenden entscheiden.
Das klingt alles ziemlich positiv, wo kippt Wertearbeit ins Gegenteil und wie vermeidest du das im Alltag?
Philipp Markl: Es gibt drei große Fallen. Erstens: Slogans ohne Verhalten machen unglaubwürdig und lähmen. Lösung: Pro Wert maximal drei sichtbare Verhaltensanker („So sieht Wert X bei uns heute aus …“). Zweitens: Einmal-Workshops sind lustig, verpuffen aber schnell. Lösung: kurze Soundchecks, Decision-Logs, Reflexionszeiten fest in die Woche integriert. Und drittens: One-size-fits-all funktioniert nicht. Der Dreiklang des Value Based Leadership liefert einen stabilen Rahmen, die Ausgestaltung passt ihr selbst an. Techniker ticken anders als Servicekräfte, und das ist okay.
Ihr verankert das auch forschungsbasiert. Was ist eure Evidenz?
Philipp Markl: Grundlage ist die Value-Based-Leadership-Zertifizierung bei der SMS group, die in Partnerschaft mit der EBS entstanden ist. In einer qualitativen Studie mit Führungskräften haben wir deutlich herausgearbeitet: Value Based Leadership schafft schnell spürbare Effekte bei Selbstreflexion, Transparenz und Feedbackkultur. Gleichzeitig zeigen sich die Grenzen von Postern: Werte bleiben abstrakt, bis sie in konkrete Routinen übersetzt sind.
Katharina Matz: Kontext zählt! Teams und Regionen setzen das unterschiedlich um. Kulturelle Hintergründe sind ebenso zu beachten wie Bildungsniveau und Präferenzen. Es gilt hier einmal genauer hinzuschauen; das kostet initial ein paar Minuten mehr Arbeit, spart aber auf lange Sicht viele Stunden.
Philipp, was nimmst du am 15. Januar mit auf die Bühne?
Philipp Markl: Drei Dinge zum Mitnehmen und sofort einsetzen: Wissenschaftliche Erkenntnisse zu effektiver Führung, die auf Werten gründet. Ideen, wie schnell und einfach sich Tools wie Soundchecks oder Reflexionsrunden in unseren Arbeitsalltag integrieren lassen. Und ein kleiner EBS-Bonus, den ich allerdings erst auf der Bühne lüfte.
Und das Buch „Backstage Values – Wie Werte Projekte blockieren … oder beflügeln“?
Philipp Markl: Das Buch ist wie eine Werkstatt, kein Warum-Essay. Tools, Checklisten, echte Fälle, gespiegelt aus sieben Perspektiven: ein Theologe, zwei Organisationsentwickler, drei Wirtschaftspsychologinnen und -psychologen sowie ein Physiker. Gemeinsam zeigen wir, wie Werte Stabilität erzeugen, ohne Kreativität zu bremsen. Dorthin gehören sie: in die Entscheidung!
Hier trifft Haltung auf Handwerk: Am 15. Januar 2026 zeigt Value-Based-Leadership-Speaker Philipp Markl auf der boe-Bühne, wie Werte aus dem Hinterzimmer in den Projektalltag kommen. Ergänzt wird die Perspektive von Katharina Matz (EBS Universität für Wirtschaft und Recht), Lecturer & Research Associate im Bereich Operations & Supply Chain Management. Die boe international sprach mit Philipp Markl und Katharina Matz darüber, wie klare Leitwerte anstelle von Persönlichkeitskonflikten Orientierung geben, wie Mikro-Routinen wie Ethical Soundchecks und Decision-Logs Tempo bringen – und wie Führung so glaubwürdig wird.
Philipp, du stehst am 15. Januar 2026 mit deiner Keynote zu „Value Based Leadership“ auf der boe-Bühne. Wenn ich dich auf einen Satz festnageln müsste: Worum geht’s?
Philipp Markl: Es werden zwei Sätze: Erstens geht es darum, wie wir in dynamischen Event-Settings Stabilität ohne Stillstand schaffen. Zweitens darum, dass Werte aus dem Hinterzimmer heraus und in die alltäglichen Entscheidungen gehören. Dorthin, wo Tempo und Druck hoch sind.
Du sagst: Projekte scheitern selten an der Idee, sondern an verdeckten Wertekonflikten. Was meinst du damit?
Philipp Markl: Stell dir den Morgen im Projektbüro vor: Die eine im Team sucht Sicherheit und klare Regeln, der andere will Neues ausprobieren. Die Geschäftsführung drückt auf die Marge, zugleich will man fair handeln. Und dann trifft das Playbook vom Schreibtisch auf die Realität vor Ort. Sobald wir es als Frage nach Werteprioritäten verstehen, wird es wieder führbar: Was leitet heute und warum? Stabilität oder Geschwindigkeit? Transparenz oder Bequemlichkeit? Nachhaltigkeit oder Kostenvorteil?
Wie kommst du aus diesem Persönlichen raus: weg von „X gegen Y“?
Philipp Markl: Indem Führung die gewünschten Prioritäten klar und somit verhandelbar macht. Wir klären, welcher Wert in der Situation führt und was das bedeutet – oder eben nicht. Das nimmt Unsicherheit, denn wir reden nicht mehr über Menschen, sondern über Maßstäbe.
Katharina, du hast die qualitative Auswertung mitverantwortet und die VBL Systematik EBS-seitig mit aufgebaut. Was siehst du in den Daten und was hilft im Alltag?
Katharina Matz: Sobald Teams klar benennen, welcher Wert heute führt, sinkt das Entscheidungsrauschen. Und gießen wir die Werte in kleine Routinen, entsteht aus Worten eine klare Arbeitsinfrastruktur. Das ist keine Raketenwissenschaft, aber gerade weil es so einfach ist, ist es so wirksam.
Dein Rahmen dafür heißt „Value Based Leadership“. Was steckt dahinter?
Philipp Markl: Es ist ein Dreiklang: Authentic Leadership – die eigenen Werte kennen und reflektieren. Ethical Leadership – Verantwortung zeigen und vorleben. Unternehmenswerte – die kulturelle Klammer, die Tag für Tag Orientierung gibt. In der Schnittmenge wird es praktisch: Werte werden sichtbar, verhandelbar und operativ.
Was sind eigentlich „Werte“ – und heißt wertebasiert führen automatisch „besonders gut“ führen?
Philipp Markl: Häufiges Missverständnis: „Wertebasiert“ meint nicht moralische Perfektion. In unserer Systematik heißt „authentisch“: Ich kann mich in der Entscheidung wiedererkennen. „Ethisch“: Ich kann sie nach außen vertreten – und sie passt zu unseren Unternehmenswerten. Darin liegt die Messlatte, nicht im „immer besonders brav“.
Patric Weiler: „Wer Neugier statt Angst fördert, schafft Teams, die sich mit KI weiterentwickeln, statt gegen sie anzukämpfen.“
Jörn Busch: „Dieboewar 2025 mehr denn je ein Ort echter Vernetzung und ehrlicher Begegnung auf Augenhöhe.“
© satis&fy
© memo-media Verlags-GmbH
Welche drei Highlights der boe 2025 sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Mich hat die starke Präsenz junger Fachkräfte, Studierender und Nachwuchstalente beeindruckt. Der Generationswechsel war spürbar. Der frische Blick und das Interesse an nachhaltigen, digitalen und kreativen Lösungen haben viele gute Gespräche angestoßen. Ebenso bemerkenswert war die durchgehend hohe Frequenz in den Hallen; die Branche zeigte sich lebendig, neugierig und zukunftsorientiert. Am stärksten bleibt für mich die Dichte an intensiven Gesprächen: mit Partnern, Kunden und vielen neuen Kontakten. Die boe war 2025 mehr denn je ein Ort echter Vernetzung und ehrlicher Begegnung auf Augenhöhe.
Wie hat die Teilnahme satis&fy beeinflusst – und was bedeutet das für eure nächste Messepräsenz?
Die Teilnahme an der boe 2025 hat unser Unternehmen in mehrfacher Hinsicht gestärkt: Sie hat nicht nur unsere Sichtbarkeit in einem sich wandelnden Marktumfeld erhöht, sondern auch zu gezielten, qualitativ hochwertigen Kontakten geführt – sowohl mit Bestandskunden als auch mit potenziellen Neukunden. Besonders der direkte Austausch zu aktuellen Themen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung hat uns wertvolle Impulse gegeben. Diese positiven Erfahrungen nehmen wir gezielt mit in die Planung unserer nächsten Messepräsenz: Wir werden unsere Inhalte noch stärker auf dialogorientierte Formate ausrichten und gleichzeitig die gestiegene Relevanz junger Zielgruppen bei der Standgestaltung und im Messaging aktiv berücksichtigen.
Ausblick auf die boe 2026: Was erwartet die Besucher an eurem Messestand? Welche Innovationen und besonderen Aktionen sind geplant?
Wir kombinieren Innovation, Interaktivität und persönlichen Austausch. Neben aktuellen Lösungen und Technologien geben wir Einblicke in neue Denkansätze für die Live-Kommunikation von morgen. Unser Stand ist bewusst kein Showroom, sondern ein Ort echter Begegnung. Zusätzlich setzen wir die Technologie-Solution knw. ein, die jüngst als führendes und herausragendes Messe- und Event-Datenanalyse-Tool ausgezeichnet wurde.
„Die boe war 2025 mehr denn je ein Ort echter Vernetzung und ehrlicher Begegnung auf Augenhöhe“
Die Redaktion der boe international sprach mit Jörn Busch, Managing Director bei satis&fy, über Highlights, Learnings und den Ausblick. satis&fy – internationaler Anbieter für Live-Kommunikation, Brand Experiences sowie Event- und Medientechnik aus der Live-Matters-Gruppe – ist auf der boe 2026 vertreten und setzt auf Innovation, dialogorientierte Formate und messbare Event-Performance
Patric Weiler: „Wer Neugier statt Angst fördert, schafft Teams, die sich mit KI weiterentwickeln, statt gegen sie anzukämpfen.“
Patric Weiler hat Firmen in unterschiedlichen Rollen geführt und prägt seit fast drei Jahrzehnten die Live-Kommunikationsbranche. Als stellvertretender Deutschlandchef und Strategieleiter bei American Express Meetings & Events, als Co-Founder und CEO der Digitalagentur 7thSENSE, einer der ersten in Europa, sowie als Director of Strategy & Innovation bei Proske kennt er die Branche aus jeder Perspektive. Er beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz, lange bevor der aktuelle Hype begann, und gilt heute als einer der führenden Unternehmensberater und Sparringspartner, wenn es um die Transformation von Unternehmen ins KI-Zeitalter geht. Darüber hinaus ist er als Hochschuldozent, Trainer, Autor und Keynote-Speaker für strategische Zukunftsthemen aktiv. Auf der boe international 2026 spricht er über das Thema 'Game Changer AI - wie Künstliche Intelligenz die Zukunft der Live-Kommunikation prägen wird'.
Patric, Du hast internationale Vertriebsorganisationen aufgebaut und geführt: Welche Teamrollen, Abläufe und Tools sollten 2026 zur Grundausstattung gehören - und welche typischen Fehler spart man sich am besten gleich?
Den größten Fehler, den man heutzutage machen kann, ist, den Einzug der Künstlichen Intelligenz zu ignorieren. KI ist längst nicht mehr ein einzelnes Tool, sondern muss als fester Bestandteil des Teams verstanden werden. Unternehmen müssen ihre Prozesse überdenken - weg von Routinen, die Jahrzehnte funktioniert haben, hin zu Strukturen, die lernen, sich anpassen und dynamisch reagieren können.
Ich spreche hier nicht von kleinen Spielereien mit Tools, die Endverbraucher beeindrucken sollen. Das ist für Unternehmen nicht der Punkt. Entscheidend ist, ein tiefes Verständnis der KI-Prinzipien zu entwickeln - also, wie Muster erkannt, Daten interpretiert und Entscheidungen vorbereitet werden. Darauf baut jede erfolgreiche Nutzung auf.
Der größte Fehler liegt im sogenannten Tool-Hopping. Bei über 15.000 verfügbaren KI-Tools ist jedes neue Plug-in schon morgen veraltet. Wichtiger ist, eine klare Strategie zu entwickeln, die Orientierung und echten Zukunfts-Fokus gibt. KI ist kein Experiment, sondern eine Gestaltungsaufgabe.
Am Ende zählt: KI verändert nicht nur Arbeit, sondern Zusammenarbeit. Wer Neugier statt Angst fördert, schafft Teams, die sich mit KI weiterentwickeln, statt gegen sie anzukämpfen. Und das ist der Unterschied zwischen Veränderung und Fortschritt.
Viele Events schaffen große Momente, aber wenig strategischen Nachhall. Wie lässt sich erreichen, dass Botschaften über das einmalige Erlebnis hinaus wirken, weitergetragen werden? Und welche Rolle kann KI dabei spielen?
Ein Event muss nicht enden, wenn das Licht ausgeht. Im Gegenteil: KI eröffnet die Möglichkeit, Erlebnisse über alle Kommunikationskanäle hinweg weiterzuführen. Sie erkennt Muster im Verhalten und in den Emotionen der Teilnehmenden und verknüpft diese mit Daten aus CRM-Systemen, Social Media oder Kampagnenplattformen. So entsteht eine Full-Circle-Experience, in der Events nicht isoliert stehen, sondern mit anderen Kommunikationsdisziplinen verbunden sind - vom TV-Spot bis zur digitalen Community.
Man kann sich das vorstellen wie ein Orchester: Der Event ist der erste Geiger, der die emotionalen Highlights setzt. Und die KI übernimmt die Rolle der Dirigentin. Sie sorgt dafür, dass alle Kanäle harmonisch zusammenspielen, dass Botschaften sich verstärken, statt sich zu überlagern.
Richtig eingesetzt, wird der Event so zum Herzstück einer integrierten Markenkommunikation. Laut Studien von McKinsey und MIT steigert der intelligente Einsatz von KI die Teilnehmerzufriedenheit um über 40 Prozent und reduziert gleichzeitig operative Aufwände um bis zu 60 Prozent. Das zeigt, was möglich ist: Effizienz trifft Emotion. Und beides zahlt auf strategische Wirkung ein.
Wo bringt KI im Tagesgeschäft schnell spürbare Ergebnisse? Wie wird daraus ein dauerhaftes Basisangebot statt nur ein Einzelprojekt?
KI zeigt ihre Stärke in zwei Dimensionen: Effizienz und Positionierung. Die erste Dimension ist die Effizienzdimension. In Zeiten, in denen Budgets schrumpfen und Volumina sinken, ist Effizienz kein Vorteil, sondern Überlebensstrategie. KI reduziert operative Aufwände um bis zu 80 Prozent: von Teilnehmermanagement über Content-Erstellung bis hin zur Konzeptphase. Damit werden Ressourcen frei, die dort wirken, wo Wert entsteht, etwa in Beratung, Kreativität und Kundenkontakt.
Die zweite Dimension ist die Positionierungsdimension. KI ermöglicht es Agenturen und Eventabteilungen, sich vom reinen Dienstleister zum strategischen Partner zu entwickeln. Durch intelligente Datenanalysen, Hyperpersonalisierung und Predictive Insights kann man Zielgruppen genauer verstehen, Erlebnisse präziser gestalten und die Performance von Kommunikation messbar verbessern.
In meinem Whitepaper AI x Experience nenne ich das den 'doppelten Gewinn': Wer Effizienz und Positionierung zusammen denkt, schafft sich Raum und nutzt diesen Raum, um die eigene Relevanz zu erhöhen. Genauso entsteht Wachstum: durch kluge Prozesse und mutige Positionierung.
Hand aufs Herz, Patric. Der Wandel ist längst spürbar. Unternehmen wie Amazon streichen zehntausende Bürojobs, andere automatisieren ganze Bereiche. Was bedeutet das für die bestehenden Berufsbilder und Rollen? Wie können Unternehmen diesen tiefgreifenden Wandel so gestalten, dass Mensch und Technologie gemeinsam stark werden?
Der Wandel ist längst da und er wird spürbarer mit jedem Tag. Doch neu ist er nicht. Jede große Innovation, von der Dampfmaschine über den Computer bis zum Internet, hat die Arbeitswelt neu geformt. Nur diesmal passiert es schneller. KI kam gefühlt über Nacht an die Oberfläche, nachdem sie achtzig Jahre im Hintergrund gereift war.
Unternehmen stehen heute vor der Aufgabe, den Wandel aktiv zu gestalten. Sie müssen sicherstellen, dass das richtige Know-how im Unternehmen ankommt und angewendet wird. Prozesse, Strukturen, Entscheidungswege: all das braucht ein Update. Und vor allem müssen die Menschen mitgenommen werden. Denn sie sind der Motor dieser Veränderung.
Wer glaubt, nur in Technologie investieren zu müssen, übersieht den Menschen als wesentlichem Faktor. Künstliche und menschliche Intelligenz müssen zu einem Power-Couple werden. Denn die Zukunft wird nicht zwischen Mensch und Maschine entschieden, sondern zwischen reaktiven und gestaltenden Unternehmen. Oder, wie Peter Drucker sagte: „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie selbst zu gestalten.“
Du begleitest Unternehmen, von Agenturen bis Konzernen, auf dem Weg in die KI-Epoche: Die boe 2026 steht vor der Tür, jährliches Highlight der Eventbranche. Wo sollten Akteure jetzt ansetzen, um KI-Chancen zu nutzen? Welche Impulse sind dafür entscheidend?
Wenn ich einen Kernpunkt nennen müsste, auch wenn er nicht spektakulär klingt, dann ist es Wissen. Wissen darüber, was KI wirklich bedeutet und welche Chancen sie eröffnet. Denn bei der Fülle an Informationen und Tools ist es schwer, Orientierung zu behalten. Genau deshalb habe ich den KI-Führerschein entwickelt. Ein kostenloses E-Learning, das in nur zwei Stunden eine zertifizierte Basis vermittelt, 100 Prozent kompatibel mit dem EU AI Act. Es ist die einfachste Möglichkeit, ganze Teams schnell auf denselben Wissensstand zu bringen.
Darauf aufbauend empfehle ich, strategische Workshops zu starten: Top-down für Richtung, bottom-up für Beteiligung. So entsteht ein gemeinsames Zukunftsbild, das nicht im Labor, sondern im Unternehmen wächst. Und wer mag, holt sich dafür Sparringspartner ins Haus.
Am Ende geht es um Haltung, aber auch um Neugier und Freude am Gestalten. KI ist keine Bedrohung, sondern eine Einladung, sich als Unternehmen, Marke oder Mensch neu zu definieren.
Für alle, die tiefer einsteigen möchten, gibt es mein kostenloses Whitepaper ‚AI x Experience‘ und den Podcast ‚Live Intelligence‘, den ich gemeinsam mit Peter Blach und Ron Schneider betreibe. Dort vertiefe ich genau diese Themen. Und wer weiterführende Fragen hat? Wir sehen uns auf der boe. Ich freue mich auf viele inspirierende Gespräche und neue Begegnungen.
Weiterführende Links:
E-Learning/KI Führerschein KI-Kompetenz • CBTL
Whitepaper KI in der Live Kommunikation Whitepaper_AI-x-Experience_Patric-Weiler_Juli2025.pdf
Podcast Live//Intelligence LIVE//INTELLIGENCE – KI trifft Kommunikation. Kick-off: KI verändert die Livekommunikation. | Podcast on Spotify
Website pwbc/Patric Weiler www.pwbc.de
Welche drei Highlights der boe 2025 sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Mich hat die starke Präsenz junger Fachkräfte, Studierender und Nachwuchstalente beeindruckt. Der Generationswechsel war spürbar. Der frische Blick und das Interesse an nachhaltigen, digitalen und kreativen Lösungen haben viele gute Gespräche angestoßen. Ebenso bemerkenswert war die durchgehend hohe Frequenz in den Hallen; die Branche zeigte sich lebendig, neugierig und zukunftsorientiert. Am stärksten bleibt für mich die Dichte an intensiven Gesprächen: mit Partnern, Kunden und vielen neuen Kontakten. Die boe war 2025 mehr denn je ein Ort echter Vernetzung und ehrlicher Begegnung auf Augenhöhe.
Wie hat die Teilnahme satis&fy beeinflusst – und was bedeutet das für eure nächste Messepräsenz?
Die Teilnahme an der boe 2025 hat unser Unternehmen in mehrfacher Hinsicht gestärkt: Sie hat nicht nur unsere Sichtbarkeit in einem sich wandelnden Marktumfeld erhöht, sondern auch zu gezielten, qualitativ hochwertigen Kontakten geführt – sowohl mit Bestandskunden als auch mit potenziellen Neukunden. Besonders der direkte Austausch zu aktuellen Themen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung hat uns wertvolle Impulse gegeben. Diese positiven Erfahrungen nehmen wir gezielt mit in die Planung unserer nächsten Messepräsenz: Wir werden unsere Inhalte noch stärker auf dialogorientierte Formate ausrichten und gleichzeitig die gestiegene Relevanz junger Zielgruppen bei der Standgestaltung und im Messaging aktiv berücksichtigen.
Ausblick auf die boe 2026: Was erwartet die Besucher an eurem Messestand? Welche Innovationen und besonderen Aktionen sind geplant?
Wir kombinieren Innovation, Interaktivität und persönlichen Austausch. Neben aktuellen Lösungen und Technologien geben wir Einblicke in neue Denkansätze für die Live-Kommunikation von morgen. Unser Stand ist bewusst kein Showroom, sondern ein Ort echter Begegnung. Zusätzlich setzen wir die Technologie-Solution knw. ein, die jüngst als führendes und herausragendes Messe- und Event-Datenanalyse-Tool ausgezeichnet wurde.
„Die boe war 2025 mehr denn je ein Ort echter Vernetzung und ehrlicher Begegnung auf Augenhöhe“
Die Redaktion der boe international sprach mit Jörn Busch, Managing Director bei satis&fy, über Highlights, Learnings und den Ausblick. satis&fy – internationaler Anbieter für Live-Kommunikation, Brand Experiences sowie Event- und Medientechnik aus der Live-Matters-Gruppe – ist auf der boe 2026 vertreten und setzt auf Innovation, dialogorientierte Formate und messbare Event-Performance
Jörn Busch: „Dieboewar 2025 mehr denn je ein Ort echter Vernetzung und ehrlicher Begegnung auf Augenhöhe.“
Hier trifft Haltung auf Handwerk: Am 15. Januar 2026 zeigt Value-Based-Leadership-Speaker Philipp Markl auf der boe-Bühne, wie Werte aus dem Hinterzimmer in den Projektalltag kommen. Ergänzt wird die Perspektive von Katharina Matz (EBS Universität für Wirtschaft und Recht), Lecturer & Research Associate im Bereich Operations & Supply Chain Management. Die boe international sprach mit Philipp Markl und Katharina Matz darüber, wie klare Leitwerte anstelle von Persönlichkeitskonflikten Orientierung geben, wie Mikro-Routinen wie Ethical Soundchecks und Decision-Logs Tempo bringen – und wie Führung so glaubwürdig wird.
Philipp, du stehst am 15. Januar 2026 mit deiner Keynote zu „Value Based Leadership“ auf der boe-Bühne. Wenn ich dich auf einen Satz festnageln müsste: Worum geht’s?
Philipp Markl: Es werden zwei Sätze: Erstens geht es darum, wie wir in dynamischen Event-Settings Stabilität ohne Stillstand schaffen. Zweitens darum, dass Werte aus dem Hinterzimmer heraus und in die alltäglichen Entscheidungen gehören. Dorthin, wo Tempo und Druck hoch sind.
Du sagst: Projekte scheitern selten an der Idee, sondern an verdeckten Wertekonflikten. Was meinst du damit?
Philipp Markl: Stell dir den Morgen im Projektbüro vor: Die eine im Team sucht Sicherheit und klare Regeln, der andere will Neues ausprobieren. Die Geschäftsführung drückt auf die Marge, zugleich will man fair handeln. Und dann trifft das Playbook vom Schreibtisch auf die Realität vor Ort. Sobald wir es als Frage nach Werteprioritäten verstehen, wird es wieder führbar: Was leitet heute und warum? Stabilität oder Geschwindigkeit? Transparenz oder Bequemlichkeit? Nachhaltigkeit oder Kostenvorteil?
Operativ heißt bei dir wirklich: im Tagesgeschäft. Wie kann ich das morgen einführen?
Philipp Markl: In drei einfachen Schritten und ohne große Meeting-Orgie: Finde klare Worte zum führenden Wert. Sag im Stand-up einen Satz wie: „Heute führt bei uns Transparenz, weil wir zwei kritische Entscheidungen vor uns haben.“ Dann weiß jeder sofort, worauf es ankommt. Zweitens: Etabliere wiederkehrende Mikro-Routinen. Zum Beispiel ein 60-Sekunden-Ethical Soundcheck mit fünf kurzen Fragen vor dem Go-Live: „Welcher Wert führt?“, „Wer ist betroffen?“, „Was sind Kurz-/Langfristfolgen?“, „Trägt die Transparenz?“, „Würden wir das öffentlich vertreten?“. Natürlich kannst du die Fragen auch anpassen. Wichtig ist nur, dass du einen Decision-Log führst, das spart spätere Rückfragen. Drittens: eine wöchentliche 10-Minuten-Reflexion: „Wo war unser Leitwert sichtbar? Wo sind wir abgewichen? Was ändern wir nächste Woche?“. So sind Werte kein Poster an der Wand mehr, sondern erschaffen Arbeitskultur.
Klingt machbar. Was bringt es messbar?
Katharina Matz: Signifikant weniger Entscheidungsrauschen, mehr Tempo und mehr Sicherheit. Eskalationen gehen zurück, weil Transparenz steigt. Im Grunde ist das gelebtes Risikomanagement und macht Führung glaubwürdig, da Prinzipien das Handeln leiten, nicht Claims. Messen lässt sich das recht leicht: Time-to-Decision, Eskalationsquote, Rework-Anteil, Team-/Crew-Stabilität bzw. No-Shows, ESG-Compliance, Mini-Pulse-Questionaires im Team zu Fairness und Transparenz. Es gibt viele Wege, jeder muss sich für den für ihn passenden entscheiden.
Das klingt alles ziemlich positiv, wo kippt Wertearbeit ins Gegenteil und wie vermeidest du das im Alltag?
Philipp Markl: Es gibt drei große Fallen. Erstens: Slogans ohne Verhalten machen unglaubwürdig und lähmen. Lösung: Pro Wert maximal drei sichtbare Verhaltensanker („So sieht Wert X bei uns heute aus …“). Zweitens: Einmal-Workshops sind lustig, verpuffen aber schnell. Lösung: kurze Soundchecks, Decision-Logs, Reflexionszeiten fest in die Woche integriert. Und drittens: One-size-fits-all funktioniert nicht. Der Dreiklang des Value Based Leadership liefert einen stabilen Rahmen, die Ausgestaltung passt ihr selbst an. Techniker ticken anders als Servicekräfte, und das ist okay.
Ihr verankert das auch forschungsbasiert. Was ist eure Evidenz?
Philipp Markl: Grundlage ist die Value-Based-Leadership-Zertifizierung bei der SMS group, die in Partnerschaft mit der EBS entstanden ist. In einer qualitativen Studie mit Führungskräften haben wir deutlich herausgearbeitet: Value Based Leadership schafft schnell spürbare Effekte bei Selbstreflexion, Transparenz und Feedbackkultur. Gleichzeitig zeigen sich die Grenzen von Postern: Werte bleiben abstrakt, bis sie in konkrete Routinen übersetzt sind.
Katharina Matz: Kontext zählt! Teams und Regionen setzen das unterschiedlich um. Kulturelle Hintergründe sind ebenso zu beachten wie Bildungsniveau und Präferenzen. Es gilt hier einmal genauer hinzuschauen; das kostet initial ein paar Minuten mehr Arbeit, spart aber auf lange Sicht viele Stunden.
Philipp, was nimmst du am 15. Januar mit auf die Bühne?
Philipp Markl: Drei Dinge zum Mitnehmen und sofort einsetzen: Wissenschaftliche Erkenntnisse zu effektiver Führung, die auf Werten gründet. Ideen, wie schnell und einfach sich Tools wie Soundchecks oder Reflexionsrunden in unseren Arbeitsalltag integrieren lassen. Und ein kleiner EBS-Bonus, den ich allerdings erst auf der Bühne lüfte.
Und das Buch „Backstage Values – Wie Werte Projekte blockieren … oder beflügeln“?
Philipp Markl: Das Buch ist wie eine Werkstatt, kein Warum-Essay. Tools, Checklisten, echte Fälle, gespiegelt aus sieben Perspektiven: ein Theologe, zwei Organisationsentwickler, drei Wirtschaftspsychologinnen und -psychologen sowie ein Physiker. Gemeinsam zeigen wir, wie Werte Stabilität erzeugen, ohne Kreativität zu bremsen. Dorthin gehören sie: in die Entscheidung!
Wie kommst du aus diesem Persönlichen raus: weg von „X gegen Y“?
Philipp Markl: Indem Führung die gewünschten Prioritäten klar und somit verhandelbar macht. Wir klären, welcher Wert in der Situation führt und was das bedeutet – oder eben nicht. Das nimmt Unsicherheit, denn wir reden nicht mehr über Menschen, sondern über Maßstäbe.
Katharina, du hast die qualitative Auswertung mitverantwortet und die VBL Systematik EBS-seitig mit aufgebaut. Was siehst du in den Daten und was hilft im Alltag?
Katharina Matz: Sobald Teams klar benennen, welcher Wert heute führt, sinkt das Entscheidungsrauschen. Und gießen wir die Werte in kleine Routinen, entsteht aus Worten eine klare Arbeitsinfrastruktur. Das ist keine Raketenwissenschaft, aber gerade weil es so einfach ist, ist es so wirksam.
Dein Rahmen dafür heißt „Value Based Leadership“. Was steckt dahinter?
Philipp Markl: Es ist ein Dreiklang: Authentic Leadership – die eigenen Werte kennen und reflektieren. Ethical Leadership – Verantwortung zeigen und vorleben. Unternehmenswerte – die kulturelle Klammer, die Tag für Tag Orientierung gibt. In der Schnittmenge wird es praktisch: Werte werden sichtbar, verhandelbar und operativ.
Was sind eigentlich „Werte“ – und heißt wertebasiert führen automatisch „besonders gut“ führen?
Philipp Markl: Häufiges Missverständnis: „Wertebasiert“ meint nicht moralische Perfektion. In unserer Systematik heißt „authentisch“: Ich kann mich in der Entscheidung wiedererkennen. „Ethisch“: Ich kann sie nach außen vertreten – und sie passt zu unseren Unternehmenswerten. Darin liegt die Messlatte, nicht im „immer besonders brav“.
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